Rosa Maria Eglseer

Rosa Maria Eglseer

Unternehmerin und Mutmacher für Menschen über der Lebensmitte.

Gesundheit braucht die ganze Gemeinde

Rosa Maria Eglseer ist seit 38 Jahren im Pflegeberuf in unterschiedlichsten Rollen tätig. Vor 14 Jahren hat sie sich in der Gesundheitsförderung selbständig gemacht, weil sie »aus den kranken Systemen rauswollte«, und hat nun eine Plattform für zukünftige »Community Health Nurses« geschaffen, damit diese österreichweit in Gemeinden tätig werden können.
International gibt es unter dem Dachbegriff »public health nurse« verschiedene Berufsfelder, etwa die Community Nurse, die für Krankenpflege zuständig ist, es gibt School Nurses, Family Nurses, Palliativ Nurses oder eben die Community Health Nurse, die sich den Themen Gesundheitspflege, Prävention und Vorsorge widmet. Unser Gesundheitssystem setzt eigentlich erst an, wenn jemand krank ist und versucht dann zu reparieren. Mir ist es wichtig, bei der Gesundheit anzusetzen.
Weiters sehen wir in der Praxis immer wieder, dass mit einer frühzeitigen Beratung und Begleitung die Gesundheitskompetenz der zu Hause lebenden Menschen und deren Familien beträchtlich gesteigert werden kann. Beispielsweise äußerte Frau W. (79) die Sorge, in ein Pflegeheim zu müssen, wenn sich der Diabetes weiter verschlimmert. Diese Sorge war erst in einem vertraulichen, persönlichen Gespräch zu erfahren. Es zeigt beispielhaft, dass ohne vorsorgende und aufsuchende Beratung dieses Gespräch nie stattgefunden hätte. Es macht auch deutlich, dass es in der breiten Bevölkerung kein „Bild“ zu Vorsorge, Prävention oder Gesundheitsförderung gibt. Und hier können Community Health Nurses eine große Lücke schließen. Community Health Nurses fangen oftmals die Überforderung auf, verhindern dadurch Krankenhausaufenthalte oder Pflegefehler und erleben Dankbarkeit und Herzlichkeit.

Warum braucht es die Community Health Nurse zusätzlich zum bestehenden Gesundheitssystem? Was ist das »Kranke« am System, von dem Sie weg wollten?
Das kann ich am besten an einem Beispiel erzählen: Wir hatten in der mobilen Altenhilfe eine Dame, die schon seit Jahren im Bett lag, kaum mehr bei Bewusstsein war, künstlich ernährt wurde. Mit einem jungen Team haben wir es durch aktivierende Pflege innerhalb von drei Monaten geschafft, dass die Frau wieder am Tisch sitzen konnte und Wiener Schnitzel gegessen hat. Das war für uns ein so großer und berührender Erfolg, und in meiner Euphorie habe ich das meinem Geschäftsführer erzählt. Seine Antwort war: »San‘s net ganz dicht? Sie können doch nicht eine Klientin von Pflegestufe sieben auf Pflegestufe vier reduzieren, dafür bekommen wir weniger Geld und haben mehr Aufwand!« Für eine Pflegekraft, die in der Schule lernt, dass sie Menschen helfen soll, wieder selbständig zu werden, ist das extrem frustrierend. Sobald du in dem industriellen Fließband drinnen bist, musst du funktionieren als Patient und als Pflegeperson.

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